Science-Fiction gehört ins Fernsehen
Die aktuellen Zeiten sind verrückt. Manchmal komme ich mir vor wie in einem Science-Fiction-Film. Der ganze Planet versucht dem Coronavirus zu entkommen. Bis vor ein paar Wochen machten wir uns noch Gedanken über unseren nächsten Urlaub. Treffen mit der Familie und Freunden, Kinobesuche und spontane Ausflüge gehörten noch zur Realität.
Ich war guter Dinge, dass wir durch unsere Social-Media-Präsenz, der geplanten Werbemaßnahmen und unserem Dienstleistungsangebot bald hier und da zum Gesprächsthema werden. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass dem Gegenstand„Klopapier“ mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden würde und dass nur noch Viren ein Sozialleben haben würden.
Die Menschheit führt Krieg gegen ein unsichtbares Ungeheuer. Ein Parasit, der nur dafür lebt, um sich zu vermehren und seinen Wirt krank zu machen. Hässlich! Sofort sehe ich den Film „Alien- das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ vor meinem inneren Auge ablaufen und hoffe, dass die Wissenschaft bald einen Schritt weiterkommt und es der Corona-Seuche zeigen wird. Hoffentlich ist das alles schnellstmöglich vorbei und das Thema wird nur noch Material für einen Hollywood-Blockbuster. Denn Science-Fiction gehört nur ins Kino und der Begriff „viral“ soll zurück ins Netz.
Wer dreht noch am (Hamster)- Rad?
Denn in der Tourismusbranche sind wir an erster Stelle betroffen, wenn alle, einschließlich uns selbst, aufhören zu verreisen. Das kleine, selbstgekrönte Monster raubt uns zur Zeit nicht nur unsere persönlichen Ziele und ein Stück weit unsere Freiheit, sondern sorgt dafür, dass unsere Einnahmen ins Bodenlose fallen und selbst das Worst-Case-Szenario aus unserem Businessplan einem erstrebenswerten Ideal-Zustand gleicht.
Klar, die Reiseindustrie ist momentan nicht die beste Wahl für eine Existenzgründung und einen Reiseblog zu schreiben wahrscheinlich genauso interessant, wie es früher einmal Klopapier gewesen ist.
Aber was tun in dieser scheinbar motivationslosen und trägen Zeit?
Netflixen und Schokolade essen? Schokolade aktiviert immerhin die Regionen im Gehirn, die für Glücksgefühle zuständig sind. Auch kann es nicht schaden, sich im Alltag zwischendurch mal selbst mit einer Kleinigkeit zu belohnen. Beim Shoppen konnte ein Hirn-Scanner ebenfalls Glücksgefühle im Hirn nachweisen – für Frauen und Männer gleichermaßen. Egal ob ein schönes Paar Schuhe oder…ähm… irgendwelchen Männer-Kram, Hauptsache es gefällt und ist nicht zu vernünftig.
Schokolade und Shoppen stehen leider im Zielkonflikt zu meinen momentan „ruhenden“ Zielen. Denn es gibt schließlich eine Zeit nach Corona. Wer weiß, wann diese kommt und ob dann in kürzester Zeit meine Schoko-Pfunde wieder purzeln müssen oder das Sparschwein geschlachtet werden muss, weil spontan der nächste Urlaub vor der Tür steht.
Den Kopf in den Sand zu stecken hilft mir somit nicht, zumal wir doch vor kurzem unserer Webseite ein neues Gewand verpasst haben und viele Ideen auf Ihre Umsetzung warten. Ich nutze die Zeit lieber, um trotzdem weiter an meinem Blog zu arbeiten und z.B. neue Reiseziele für die unbeschwerte und schöne Zeit danach zu suchen.
Das Verrückte dabei ist, dass mir das Planen momentan hilft die aktuelle Situation zu überstehen, obwohl ich immer und überall predige: „Der Weg ist das Ziel. Lass die Welt dich überraschen!“ Einfach crazy….
Machen wir also das Beste daraus!
Alles, was unsere Kinder in Ihrer Entwicklung tun und alle Ereignisse, die sie prägen, geschehen nur ein einziges Mal! Man weiß nie, wann dieser besondere Moment kommt, den Kinder richten sich nicht nach einem Terminkalender. Man ist entweder da oder nicht. Fast alle Momente im Leben eines Erwachsenen lassen sich wiederholen, aber der Moment, in dem das Kind z.B. die ersten Schritte tut, kommt nie wieder.
Eltern, die aufgrund der jetzigen Situation öfter zuhause sind, können die kostbaren Momente mit ihren Kindern genießen, auch wenn man nur gemeinsam auf der Couch liegt und einen Disney-Film schaut.
Corona-Ablenkung: Die Zeit nutzen für andere Dinge
Es ist sicherlich ein befreiendes Gefühl, sich von unnötigen Dingen zu trennen. Dabei könnte man sogar ein bisschen Geld verdienen, wenn man noch gute Sachen über Ebay oder andere Plattformen verkauft. Für mich ist das momentan aber keine Option, da ich die Zeit lieber mit meiner Familie verbringen möchte.
Was machen wir also an freien Nachmittagen und an den schönen Wochenenden?
Ganz klar, back to the roots! Wir zeigen unserem Kind, wie unsere Kindheit ausgesehen hat. Wenig Spielzeug, viel Natur und noch mehr digitale Entgiftung.
Wo zuerst noch Unsicherheit und ein wenig Panik vor so viel „Freizeit“ war, wurde nun auch das Kind in uns geweckt.
Wir spielen fast täglich „Himmel und Hölle“ und lachen über Papa, wenn er beim Gummitwist sein Bestes gibt, wie ein 9-jähriges Mädchen. Wir bauen Höhlen aus Decken und Stühlen, spielen Mau Mau und basteln Papierflieger.
Wir gehen im Wald auf Entdeckungsmission und suchen z.B das Lebkuchenhaus der Hexe aus „Hensel und Gretel“. Und erst neulich ließ ich das erste Mal einen Drachen steigen. Etwas, was ich in meiner Kindheit verpasst habe.
Wenn das Wetter dann mal nicht so gut ist, machen wir Popcorn, setzen uns auf die Couch und schauen die schönsten und besten Zeichentrickfilme unserer Kindheit. Natürlich nicht animiert und von Walt Disney! Hirn ausschalten und einfach nur Spaß haben… das war auch in unserer Kindheit immer wieder ein Highlight.
Mit Zufriedenheit in die Ungewissheit
Wir alle müssen lernen, mit der neuen Situation umzugehen. So oft wie nur möglich zuhause bleiben, soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren und somit den Alltag komplett anders gestalten. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, daher rutschen Menschen alleine schon bei dem Gedanken ans „Endlos-Zeit-Haben“ in eine Depression und sind genervt, weil die Routine als Ablenkung für Probleme weg fällt. Sie können die gewonnene Zeit ad hoc nicht genießen, haben Angst oder sind frustriert.
Das Hamsterverhalten meiner Mitmenschen, die Einschränkung meiner persönlichen Freiheit und das Herunterschrauben der eigenen Ziele machten auch mich zu Beginn sehr wütend und traurig. Auch an die Tatsache, dass mein Mann nun öfter zuhause ist, musste ich mich erst einmal gewöhnen.
Keiner weiß, wie lange wir von unseren schönen Erinnerungen und Sehnsüchten noch zerren müssen. Daher sollten wir versuchen, durch Optimismus und mit Hilfe einer positiven Einstellung das Beste aus dieser Situation für uns zu gewinnen.
Wir haben die ersten Wochen bereits überstanden und – ganz ehrlich – ich entwickle sogar eine Zufriedenheit, mit der ich in dieser Krise nie gerechnet hätte.
Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass die Menschheit in diesen Wochen ein wenig (erzwungene) Entschleunigung erfahren darf oder aber weil die Macht der Gewöhnung nicht mehr greifen kann?
Der größte Fehler unseres Lebens ist nämlich der, dass wir – auf der Suche nach unserem Glück – den äußeren Lebensereignissen zu viel Bedeutung beimessen.
Egal, was wir auch erreichen, wie weit wir auch kommen, irgendwann kehren wir zu unserem Ausgangsniveau an Zufriedenheit zurück, da wir uns schlichtweg an das neue Glück gewöhnen.
Die erste Nacht in einem 5-Sterne-Hotel mag ja großartig sein, nach der 100sten Nacht kennen wir das Marmorbad aber zu Genüge und interessieren uns nicht mehr für das prachtvolle Blumenbouquet und den Champagner auf dem Tisch.
Die Gewöhnung an diese „Höhepunkterfahrungen“ geht aber oft nicht nur mit verringerten positiven Emotionen einher, sondern auch mit steigenden Erwartungen an noch mehr Höhepunkte.
Das führt schließlich dazu, dass wir alle zu Gefangenen von Gewöhnungseffekten werden – wie Hamster in einem Laufrad.
Die Einschränkungen durch das Corona-Virus können, sofern wir ihnen positiv begegnen, befreiend wirken und das Erhaschen von einer Packung flauschigen Klopapiers für den ein oder anderen zum Höhepunkt seines Corona-Jahres 2020 werden :)




